Dienstag, 23. Dezember 2014

[Buchgeplauder] Über Selfpublisher, Preise und Verlagsautoren

Lieber Leser,
ich liebe Bücher, schätze sie und mache mir natürlich oft Gedanken über sie. In letzter Zeit drehen sich meine Gedanken auch um die Entwicklung der Bücherwelt und deshalb möchte ich ein Thema aufgreifen, welches mich stark beschäftigt und mich zeitweise sogar gruseln lässt.

Es gibt sie, die Perlen unter den Selfpublishern, wahrscheinlich hat es nicht umsonst eine Poppy J. Anderson geschafft nun auch bei einem Verlag zu veröffentlichen. Und es gibt noch einige mehr, die wirklich Talent haben. Doch diese Vielzahl an Menschen, denen es Amazon so leicht macht ein Buch zu veröffentlichen, können nicht alle Sternchen am Literaturhimmel sein. Stichproben zeigten mir auch eindeutig, dass hier mehr Ramsch als Qualität zu finden ist. Gut, ich muss das alles nicht lesen, ignorieren würde ich es gerne, aber das geht nicht.
Warum? Weil man diesen Schreibern an jeder Ecke begegnet, sie einen anschreiben ob man nicht eine Rezension über ihr Werk schreiben möchte (und dann patzig sind, wenn man dies ablehnt, aber das ist ein anderes Thema)und sie große Werbung betreiben.

Es ist auch sehr modern, seine Geschichte für umsonst oder 99 Cent anzubieten, damit rutscht man in den Verkaufsrängen schnell nach oben und ist damit auch Werbung.

Ich bin aber schwer genervt von diesen Ramschbüchern und sehe diese Entwicklung gar nicht positiv.
Ein Autor sitzt Stunden über Stunden über seiner Geschichte, macht sich Gedanken, lässt das Baby wachsen und gedeihen...um dann verramscht zu werden? Sind wir hier bei KIK?
Ich rede nicht davon, dass ein Verlag/Autor den Lesern ein Geschenk machen möchte und es hin und wieder ein kostenloses Angebot gibt, sondern von den permanenten Billigpreisen für Ebooks.
Ich könnte mich natürlich auch über die Vielzahl an kostenlosen Lesestoff freuen, aber da ich Bücher mit Qualität und Lektorat bevorzuge, müsste ich bei den Billigbüchern schon einen Glücksgriff landen um ein solches Buch zu finden.

Bücher schreiben bedeutet Arbeit und diese Arbeit sollte auch vernünftig bezahlt werden. Das Jammern über die hohen Preise der Verlagsbücher wird aber immer lauter und ich frage mich, ob das nicht eine Abwärtsspirale ist, die irgendwann dafür sorgen wird, dass immer weniger Autoren vernünftig für ihr Schreiben bezahlt werden und die Qualität leiden wird. Schließlich muss mit den Billigpreisen mitgehalten werden und natürlich folgen dann Abstriche...

Mein Meckern ist sinnlos und wird von den Wenigsten verstanden werden, aber irgendwann muss es mal raus.

Des Weiteren habe ich mir Gedanken gemacht, wie ich mich als Autor fühlen würde wenn ich jahrelang hart gearbeitet hätte um einen Verlag zu finden der meinen Schatz veröffentlicht, immer wieder an mir als Autorin arbeiten müsste und plötzlich ist es so einfach sich Autorin zu nennen? Erlernt man diesen Beruf nicht auch? Durch viel Übung, Fleiß und Tränen? Tut mir leid, Selfpublisher (jene ausgenommen die schon Verlagsautoren waren und durch die harte Schule gegangen sind und auch solche, deren Bücher trotzdem ein Lektorat durchlaufen) werden für mich immer Hobbyschreiber sein. Das muss man nicht verstehen, aber wenn ich mir vorstelle, wie das in meinem Beruf aussähe...Ich bin Pädagogin und der Gedanke, da käme eine nette Dame, die ein Kind bekommen hat und Kinder ganz toll findet und nun denkt, sie hätte doch die gleichen Qualifikationen wie ich und könnte sich meinen Berufstitel ebenso unter den Nagel reissen...dann würde ich wohl ganz und gar nicht mehr nett sein ;).

Nicht jeder der einen Stift halten kann, kann auch schreiben!

Liebe Autoren und Perlen unter den Selfpublishern- verkauft euch bitte nicht unter Wert!

Euer
Fräulein Leselust

Kommentare:

  1. Ich habe Ihren Beitrag mit viel Interesse gelesen und schließe mich ihrer Beobachtung an, dass durch den Einsatz neuer Technologien und Medien eine Inflation an nicht von Professionalisten lektorierten Veröffentlichungen ohne jegliche Qualitätskontrolle stattfindet.

    Umgekehrt betrachtet, geht in diesem Zeitalter voller Umbrüche im Veröffentlichungswesen auch die "Zensur" weniger Verlagsherren zu Ende, die über die Jahrhunderte eher aus kommerziellen als aus qualitätsgeleiteten Überlegungen darüber entschieden, wer was publizieren und lesen darf.

    Das macht es für die "Konsument/innen" von Literatur und jeglicher Art von kreativer Leistung nicht leichter. Aber wir leben in spannenden Zeiten, in denen bereits die Kinder lernen müssen, aus einer ungeheuren Fülle und Vielfalt an Information und Angeboten das herauszufiltern, womit sie sich näher befassen möchten. Diese Fähigkeit zu selektieren ist eine grundlegende Kulturtechnik, die wir uns alle aneignen müssen, um im Dschungel der unterschiedlichen Geschmäcker, veröffentlichten Meinungen und Manipulationsversuche zurecht zu kommen.

    Die daraus entstandene Vielfalt kann verwirrend, ja sogar beängstigend sein. Missen wollen wir sie dann aber auch wieder nicht!

    Dass nur die wenigsten vom Schreiben und Publizieren allein leben können, ist allgemein bekannt ... und das, seitdem es das geschrieben und gedruckte Wort gibt. Gewinnmaximierung ist wohl auch nicht der Hauptgrund, weshalb manche Menschen Schreiben zu ihrer Berufung auserwählt haben.

    Ich meine auch, dass man Erfolg nicht nur nach quantitativen Kriterien mit hohen Auflagen, kommerziellem Erfolg und vielen gewonnenen Lesern definieren sollte. Mir ist es unter Umständen lieber, wenn das, was ich eigentlich vermitteln wollte, bei ganz wenigen Menschen einen nachhaltigen Eindruck hinterlässt als ungelesen entsorgt zu werden.

    Dann möchte ich auch noch darauf aufmerksam machen, dass Kosten für Bücher, Spielfilme, Bildmaterial, Games und Software gepaart mit einem nicht mehr zeitgemäßen Urheberrecht, einen sozial höchst selektiven Effekt, gerade auf die Entwicklung unserer Kinder, haben.

    Angesichts der Tatsache, dass sich viele Familien eine breite Auswahl an Büchern und Medien gar nicht leisten können und dass der Großteil der Menschheit, nämlich in Entwicklungs- und Schwellenregionen überhaupt keinen Zugang zu Bildung außerhalb des eigenen Haushaltes hat, möchte ich hier nicht primär über den alltäglichen Frust unserer gut gebildeten Autor/innen, Verleger/innen, Softwarentwickler/innen und Medienproduzent/innen schreiben.
    Obwohl ja, auch den gibt es natürlich...

    Und ja, ich verlege meine Sachen selbst, stehe ganz ausdrücklich dazu und befinde mich damit, so glaube ich beobachtet zu haben, bereits in bester Gesellschaft. Dadurch behalte ich meine Urheberrechte und kann meine Strategien, wie ich meine Produkte unter die Leute bringe selbst steuern und gestalten. Viele Kritiken am Prinzip des Self-Publishings beruhen auf der alten Sehnsucht, dass einem jemand das eigenständige Shoppen in einem großen Angebot abnimmt, weil man sich selbst dafür nicht die Zeit nehmen will.

    Die Leser/innen meiner Produkte halte ich für emanzipiert genug, dass sie selbst darüber empfinden, ob sie meine Angebote annehmen oder nicht. Und ich freue mich über jedes Exemplar, das andere mit mir teilen ... wenn sie's kaufen und meinen, dass es seinen Preis wert ist, freut es mich natürlich ganz besonders!

    “The Times They Are a-Changin’” … frei nach Bob Dylan, damals Protestsänger und viele haben diese Lyrics damals als befreiend empfunden: Ich verfolge die Umwälzungen im Veröffentlichungswesen mit Zuversicht und Interesse und würd mich freuen, wenn Veränderungen weniger von Ängsten und mehr von Neugier und Aufbruchsstimmung begleitet wären.

    Kulturskeptiker und Kritiker sind wir ja ohnedies in hohem Ausmaß, sonst würden die meisten von uns ja gar nicht zu schreiben beginnen.

    Christin Adlaßnig
    (Selfpublisherin von Kinderbüchern und Unterrichtamaterialien)

    http://www.adlassnig-kinderbuch.eu

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  2. Ich stimme Ihnen zu, dass es viel Ramsch und falsche bepreiste Bücher im Indiebereich gibt. Um das zu ändern hat eine Gruppe professioneller Indie-Autoren schon vor einiger Zeit das Lable Qindie (http://www.qindie.de) ins Leben gerufen. Damit werden Bücher ausgezeichnet, deren Standard (Lektorat, Korrektorat, Figurenzeichnung, Spannungsbogen) dem der traditionellen Verlage entspricht. damit hoffen wir, nicht nur die Qualität der veröffentlichten Bücher zu präsentieren, sondern auch höhere Preise durchsetzen zu können.

    Ich bin nach wie vor der Meinung, dass die eBook Preise der großen Verlage oft zu hoch gegriffen sind. Allerdings sind die Preise für gut gemachte Indie-Bücher oft zu niedrig. Die Leser dafür zu sensibilisieren ist eine lobenswerte Aufgabe. Es wäre schön, wenn mehr Autoren in die Lage kommen würden, dass sie von ihrer Berufung auch leben können. danke für diesen Artikel.

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